Genomische Selektion bei Hüftgelenkdysplasie (HD)

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Distl am 26.02.2009 diente der Abklärung einiger Fragen, die immer wieder von Züchtern gestellt werden. Dies wurde nötig um der Aufregung, die durch kursierende ungenaue Aussagen entstanden war, entgegen zu wirken. Der Irish Setter Club zeigte von Anfang an Interesse an diesem Projekt. Die wichtigsten Informationen waren bereits im Juli/Augustheft 2008 im Artikel von Rolf-Markus Schmidt veröffentlicht.

Die wesentlichen Aussagen zum Test hier nochmals zusammengefasst: Das Verfahren selbst wird auf seiner Website http://www.tierzucht-hannover.de wie folgt beschrieben:

Für die Teilnahme am Verfahren zur genomischen Selektion werden EDTA-Blutproben einer repräsentativen Stichprobe der jeweiligen Hunderasse benötigt. »Für die Auswahl einer repräsentativen Stichprobe benötigen wir die Zuchtbuchdaten und Ahneninformationen der jeweiligen Populationen und Rassen«, so die Information des Instituts für Tierzucht und Vererbungsforschung. Umso präziser die Struktur der jeweiligen Population und die Verteilung der HD-Befunde entsprechend dieser Populationsstruktur erfasst werden könnten, desto höher sei die Qualität der Stichprobe und desto weniger Tiere würden benötigt, um die genomische Selektion für eine Rasse zu etablieren. Um zu ersten Aussagen für einen molekulargenetischen Test bei weiteren Hunderassen zu kommen, werden ca. 200 bis 300 Tiere von Rassen mit kleinerem Populationsumfang und ca. 300 bis 500 Tiere von Rassen mit größerem Populationsumfang benötigt. Jeweils 50 Prozent der Hunde sollen HD frei sein und 50 Prozent leichte bis schwere HD aufweisen. »Aus dieser Stichprobe nehmen wir zunächst 50 bis 100 Hunde für einen ersten Testlauf. Von diesen 50 bis 100 Hunden müssen ebenfalls 50 Prozent der Tiere HD-frei sein und 50 Prozent der Tiere leichte bis schwere HD-Befunde aufweisen. « Die weiteren rund 200 bis 400 Hunde würden zur Bestätigung und eventuellen weiteren verfeinerten Markerauswahl benötigt. Der Zeitrahmen für diese Untersuchungen liege bei einem halben bis einem Jahr.

Was kann der Club, was jeder einzelne Züchter beitragen?

Erstes Ziel von Prof. Distl ist das Anlegen einer Blut- und Datenbank von jeder interessierten Hunderasse. Gegen einen Betrag von 7.-€ pro Hund ist dies möglich. Hierbei sollte vom Club darauf geachtet werden, dass die oben angegebenen repräsentativen Stichproben enthalten sind.

Dieser Betrag enthält jedoch noch keinerlei Kosten für die notwendigen Testverfahren.

Die Kosten für ein solches Verfahren sind momentan noch nicht genau zu berechnen, sie liegen nach Angaben von Prof. Distl etwa bei 120.-€ pro Hund. Bezeichnet man den Irish Red Setter als Rasse mit kleinem Populationsumfang, beliefen sich die Kosten bei einer Testserie von Minimum 200 Hunden auf etwa 24000.-€. Abhängig ist der endgültige Betrag unter Anderem von der Übertragbarkeit der Testverfahren beim Schäferhund und der Höhe der bezuschussten Forschungsgelder. Dies sollte zwar keinen Grund für eine Ablehnung darstellen, muss aber bei aller Euphorie den Züchtern und Hundebesitzern auch bewusst sein, genau wie die Tatsache, dass eine genomische Selektion nur eine Aussage über die Vererbbarkeit der HD machen kann, nicht aber über die Ausprägung der Hüften beim einzelnen Hund. Diese ist multifaktoriell geprägt.

Die ersten Testreihen beim Schäferhund laufen, genauere Ergebnisse liegen nach Aussage von Prof. Distl Anfang Mai vor. Die bisherigen Testergebnisse bei 150 Schäferhunden zeigten eine 70%ige Übereinstimmung mit der Auswertung der Röntgenergebnisse, die Rolle der Umwelteinflüsse könne nach Abschluss der Testreihen auch genauer umschrieben werden.

Warum sollte sich der Club beteiligen?

Eine Beteiligung unserer Rasse halte ich auf jeden Fall für sinnvoll, ich würde jedoch raten die Testergebnisse Anfang Mai abzuwarten.

Vorteil einer solchen genomischen Selektion wäre jedoch, dass man bei jedem Testdurchlauf integriert auch andere Erbkrankheiten mit untersuchen kann. Beim Irish Red Setter wären dies zum Beispiel die Speiseröhrenlähmung (MO) oder die erblichen Formen der Epilepsie.

Genau wie im Fall der HD sind hier sowohl Prof. Distl als auch der Club auf die Mitarbeit der Züchter und Hundebesitzer angewiesen, auch auf deren Ehrlichkeit und Offenheit. Um eine aussagekräftige Populationsstruktur im Sinne von Prof. Distl zu erhalten und den Kostenfaktor für den einzelenen Club bzw. Verein zu verringern, wäre eine Zusammenarbeit mit anderen in- und ausländischen Zuchtvereine sinnvoll.

Marion Didicher

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