Der Irish Red Setter der Zukunft?  (Angelika Park)

Auf Ausstellungen, für mich immer noch Zuchtschauen, habe ich einen Trend beim Irish Red Setter bemerkt über den ich einige Anmerkungen machen möchte.

Vor einigen Jahren konnte man in einigen Bewertungen der Setter lesen „schönes kurzes Sprunggelenk“.

Nun wird nicht nur der Oberschenkelknochen zu lang gezüchtet, sondern auch noch das Sprunggelenk, das zwangsläufig zu einer Überwinkelung führt. Ist das noch Zucht so wie sie wir wollen, oder wird die Setterzucht zukünftig in Richtung Qualzucht laufen?

Der korrekte und schonende Bewegungsablauf ist abhängig vom Zusammenspiel der Vorder- und Hinterhandwinkelung. Das sind keine Neuigkeiten, sondern alt bekannte Wahrheiten. Dem Zuchtrichter ist hier sehr viel Verantwortung übertragen, genau hin zu sehen. „Schicker Stand“ kann doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass beim Setter bei dieser „Mode“ zukünftig ein korrekter Bewegungsablauf abhanden kommt.

Was bedeutet das? Folgt man diesem Trend werden Setter in der Zukunft keine ausdauernden Läufer mehr sein können. Gesundheitliche Schäden sind vorprogrammiert. Soll das die Zukunft unserer sportlichen, bewegungsfreudigen Setter sein?

Die Anatomie des Hundes zeigt, dass die Vorderläufe nur durch Muskeln am Rumpf fixiert sind. Es gibt kein Schlüsselbein. Die Hinterläufe aber direkt mit dem Oberschenkelknochen in der Hüftpfanne und damit am Rumpf verbunden sind. Der Schub der Hinterhand wird über den Rücken auf die Vorderhand übertragen. Die Vorderhand muss also ungeheure Kräfte bei der Bewegung abfangen, abfedern und in der Bewegung umsetzen. Ist die Hinterhand überwinkelt, werden alle Gelenke (Sprung-Knie und Hüftgelenk) zu stark beansprucht. Die natürliche Übertragung auf die Vorderhand wird auch gestört. Ist die Vorderhand steil, kommt die Kraft des Schubes aus der Hinterhand überproportional auf das Vorderfusswurzelgelenk, die Zehen, den Ellbogen und die Schulter. Eine korrekte Winkelung würde diese Kräfte abfedern.

Bei älteren Hunden kann man mit bloßem Auge sehen, wie der Einfluss eines inkorrekten Zusammenspiels der Vorder- und Hinterhandwinkelungen Auswirkungen zeigt. Im Stand sieht man vorne gespreizte Zehen. Die erwünschte geschlossene Pfote gibt es nicht mehr. Das Vorderfusswurzelgelenk ist locker, nicht mehr gerade. Die Zehengelenke wurden über die Jahre zu stark belastet und sind deformiert.

Nicht sichtbar sind Schäden des Ellbogens, aber vermehrter Muskelaufbau am Oberarm ist feststellbar. Hier versucht der Körper zu reagieren, bewirkt aber kaum eine Schonung. Der „starke“ Muskelaufbau ist nur an der Hinterhand sinnvoll.

Besonders der „Amerikanische Setter“, der immer mehr in der Zucht eingesetzt wird, verursacht ein Missverhältnis der Winkelungen der Vor- und Rückhand. Vorne steil, hinten überwinkelt!

Meiner Meinung nach war es einer der größten Fehler der FCI den „Amerikanischen Setter“ nicht als eigenständige Rasse zu behandeln. Beim Cocker ging das doch auch (American Cocker Spaniel).

Der Setter aus den USA sieht nicht nur anders aus, sondern er wurde nie nach dem FCIStandard gezüchtet. Einkreuzungen anderer Rassen waren erlaubt. Nun könnte man sagen, das frischt die Blutlinien „unserer Setter“ auf. Die Wahrheit aber ist, dass wir uns nun auch noch Erbkrankheiten anderer Rassen mit in „unseren Genpool“ einkreuzen. Ich spreche in erster Linie von Epilepsie und MO! Mit diesem Wissen können wir nur noch mit sorgfältiger Zucht reagieren, als Zuchtrichter nicht Trends folgen, sondern immer die Gesundheit der Rasse in den Vordergrund stellen und nach dem FCI-Standard richten, so wie es nach FCI/VDH-Reglement vorgeschrieben ist. Dazu gehört aber nun mal ein einwandfreier Bewegungsablauf! Nach „Mode“ züchten hat in der Vergangenheit bei vielen Rassen große gesundheitliche Probleme gebracht.

Wollen wir uns krankmachenden Trends anschließen? Dagegen sind gelockte Hunde, die nicht dem Rassestandard des IS entsprechen nur Peanuts. Hier aber kommt laute Kritik. Gesundheit, Schönheit und Leistungsfähigkeit beim Setter müssen sich nicht ausschließen.

Als ehemaliger Zuchtwart des ISCD, Zuchtrichter für Irish Red Setter und auch Züchter erlaube ich mir diese Aussagen zur Diskussion zu stellen.

Angelika Park

zurück zur Übersicht